Fellgeschichten

Was wurmt Katze Nicki - Ein Fall zum Miträtseln

Fall des Monats Februar 2015

Katze Nicki, (Freigänger, 7 Jahre, weiblich, kastriert) wurde an einem Freitagabend in der Praxis vorgestellt. Sie hatte seit einer Woche kaum gefressen und zeigte ein vermindertes Allgemeinbefinden.

Während der Untersuchung konnten wir eine haselnussgroße Umfangsvermehrung im vorderen Bauchbereich ertasten. Der Bauch war insgesamt sehr aufgegast und schmerzhaft. Es wurden 2 Röntgenaufnahmen des Bauches angefertigt. Roentgen Darmverschluss bei Katze Man erkennt deutlich die aufgegasten Darmschlingen. Nicki erhielt zunächst einen Einlauf und ein entkrampfendes Schmerzmittel, um den -vermutlich- mittlerweile eingetrockneten Kot im Enddarmbereich absetzen zu können. Sie wurde für den nächsten Morgen nachbestellt.

Am Samstag wurde Nicki wie abgesprochen wieder vorgestellt. Sie hatte nach dem Einlauf sofort Kot abgesetzt. Die durchgeführte Untersuchung und das Kontrollröntgen zeigten allerdings keine Besserung der Aufgasung und die haselnussgroße Umfangsvermehrung war auch noch fühlbar. Roentgen Aufgasung bei Katze Mit den Besitzern wurde besprochen, dass bei Nicki der Verdacht auf einen Darmverschluss bestünde und sie operiert werden muss. Der durchgeführte Ultraschall des Bauchraumes erhärtetet den Verdacht. Also hieß es für Nicki und unser Team: OP zum Samstag.

In der Operation wurde der Bauchraum eröffnet, der Darm vorverlagert und der bereits gerötete Dünndarmabschnitt aufgesucht, in welchem die haselnussgrosse Umfangsvermehrung ertastbar war. Von der Umfangsvermehrung ausgehend konnte ein fadenförmiger Fremdkörper ertastet werden. Der Darm wurde geöffnet und heraus kam.... ein circa 25 cm langer Bandwurm, der sich im Darm verknäuelt und diesen verschlossen hatte. Teile des Bandwurmes Das Problem wurde behoben und die Besitzer über den guten Ausgang der OP informiert.

Das Wochenende verbrachte Nicki stationär zu Hause bei Frau Heinze, damit sie unter ständiger Überwachung war. Nach einem Tag lief sie schon munter umher und konnte Sonntag Abend wieder in die Obhut ihrer glücklichen Besitzer übergeben werden. Nicki einen Tag nach Darm OP Nach 10 Tagen war Nicki zum Fäden ziehen in der Praxis, es geht ihr gut.

Und jetzt die spannende Frage: Hätte es auch ausgereicht, Nicki eine Wurmkur, z.B. als Tablette zu geben ? Unserer Einschätzung nach nicht.

1) Der Wurmknoten hatte bereits zu einem fast kompletten Darmverschluss geführt. Der Knoten löst sich ja nicht durch die Gabe einer Tablette innerhalb von Stunden "in Luft auf". Der Bandwurm wäre abgestorben, der "tote Wurmpfropfen" und damit der Darmverschluss wären aber wahrscheinlich geblieben. Da Nicki bereits seit 1 Woche nicht mehr fraß und es ihr zum Zeitpunkt der Vorstellung bereits sehr schlecht ging, blieb keine Zeit, um mit einer Entscheidung zu warten.

2) Wäre es kein Wurmknoten, sondern ein anderer Fremdkörper gewesen, hätte man mit einer Wurmkur und einer abwartenden Haltung übers Wochenende, ob eine Besserung eintritt, viel wertvolle Zeit verloren. Teile des Darmes hätten durch einen Fremdkörper anderer Art absterben können oder die Katze hätte an einen Darmdurchbruch sterben können.

Übrigens: Nicki war 6 Monate zuvor letztmalig entwurmt worden. Wir empfehlen bei Katzen, die auch nach draußen dürfen, daher ein Entwurmungsintervall von MINDESTENS aller 3 Monate!

(Anm.: Wir danken Nickis Besitzern herzlich, dass wir diesen Fall für Sie auf unserer Homepage veröffentlichen durften und freuen uns mit Ihnen, dass es ihr wieder gut geht!)